Musiker, Mäzen und Reformer
Einen differenzierten Blick auf diesen bislang oft einseitig dargestellten Wittelsbacher (1724-1799) erlebte am 6. Oktober eine rund 70-köpfige Zuhörerschaft im ganz und gar besetzten Vortragssaal des Aichacher Stadtmuseums.
Auf Einladung des Heimatvereins Aichach kommentierte der Historiker, Kunstwissenschaftler, Germanist, BR-Regisseur und Drehbuchautor Dr. Bernhard Graf seine bilderreiche Powerpointpräsentation und stellte damit seine 2024 erschienene, gleichnamige Biografie des Kurfürsten vor.
Mehr als lebendig und abwechslungsreich offenbarte sich, wie Carl Theodor als Vollwaise in der Obhut seiner Urgroßmutter in Drogenbusch (heute: Drogenbos) und Brüssel als Sohn eines nachgeborenen Prinzen aufwuchs und er dennoch als Landesvater von sieben Territorien (Markgrafschaft Bergen op Zoom (1728), Herzogtum Pfalz-Sulzbach (1733), Kurfürstentum von der Pfalz (1742), Herzogtümer Berg, Jülich und Neuburg (1742) und Kurfürstentum Bayern (1777)) regieren konnte.
Wie facettenreich zeigte sich, wie er trotz des Siebenjährigen (1756-1763) und Bayerischen Erbfolgekriegs (1778/1779) zum bedeutendsten Herrscher Europas in musik-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht aufsteigen konnte.
Allen Anwesenden konnte mehr als deutlich werden, dass er als Kurfürst von Pfalz-Bayern nicht auf den zweimaligen Versuch, Kurbayern mit den Österreichischen Niederlanden zu tauschen, im Nachhinein reduziert werden kann – im Gegenteil! Zukünftig braucht man sich von zeitgenössischen Polemikern, wie den Theologen und Mitglied des Illuminatenordens Lorenz Westenrieder (1748-1829), der aus persönlichen und eigensüchtigen Gründen den Nachruf dieses großartigen Wittelsbachers beschädigte, nicht mehr täuschen zu lassen.
Denn unser Alltag wäre ohne dessen Errungenschaften als „Vater des modernen Bayerns“ nicht denkbar.
Müsste man doch auf privat geführte Unternehmen verzichten, hätte man keinen Zugang zu Bibliotheken und Museen, wäre uns der Münchner Hof- und Englische Garten verschlossen, würden die Klänge der Mozartoper „Idomeneo“ verstummen und vieles, vieles mehr.
